Pressemitteilung der Bürgerinitiative Pro Taunusbahn zum Artikel der Taunuszeitung vom 23.11, „Pro Bahn kritisiert Bürgerinitiative“

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Pro Taunusbahn zum Artikel der Taunuszeitung vom 23.11, „Pro Bahn kritisiert Bürgerinitiative“

Immobilien-Wertsteigerungen im Einzugsbereich künftiger S-Bahn Haltestellen sind für die
Bürgerinitiative Pro Taunusbahn kein relevantes Thema. Unsere Gruppe besteht aus
Anwohnern und interessierten Bürgern z.B. aus Köppern, Wehrheim, Neu-Anspach und
Grävenwiesbach. Wir sind Bahnkenner, Naturfreunde und ganz wichtig: Pendler! Wir
versuchen die Interessen aller Betroffenen im Auge zu behalten; Anwohner, Pendler und
Naturschutz! Auf dem Weg zu unserem Ziel – Bürgerbeteiligung in diesem Projekt zu
erreichen – sind wir auf ein paar interessante Punkte gestoßen. Wir haben u.a. festgestellt,
dass
• keine (oder zumindest keine veröffentlichte) Verkehrsstromanalyse durchgeführt
wurde. Die jetzige Planung beruht auf Annahmen.
• der Planungsauftrag ohne die Berücksichtigung von Alternativen vergeben wurde.
• bisher auf keine unserer Eingaben oder Fragen Antworten gegeben werden konnte.
• die Kosten jetzt schon dreimal so hoch sind wie ursprünglich genehmigt.
• massive Eingriffe in Natur und Eigentumsrechte erfolgen würden, ohne dass eine
wesentliche Verbesserung an Kapazität oder Taktfrequenz erzielt wird.

Insbesondere zum letzten Punkt vermissen wir in der Presse den Hinweis zu den „Kollateral-
schäden“ eines Oberleitungsbaus. Mit dem aktuell favorisierten Oberleitungskonzept geht

ein immenser Kahlschlag an der Strecke, insbesondere im Köpperner Wald einher! 6-10m
breite Schneisen sollen kilometerweit beidseitig im Wald abgeholzt werden! Noch vor
wenigen Jahren – zum Planungszeitpunkt – hätte man dies zugunsten eines
umweltschonenden elektrischen Fahrbetriebs in Kauf nehmen müssen. Mit jüngst marktreif
gewordenen Batterie- oder auch Wasserstoffzügen sind die Oberleitung und damit der
Kahlschlag nicht mehr alternativlos. Ganz nebenbei kann das Ausmaß von
Streckensperrungen eingegrenzt und Kosten für Bau und Wartung der Oberleitung
eingespart werden.
Auch die zusätzlichen Baumrodungen und wiederum mit Streckensperrungen
einhergehenden Bauarbeiten am geplanten zweigleisigen Abschnitt zwischen Wehrheim und
Lochmühle müssen nicht sein. Dieser Abschnitt ist unter Einsparung von Fahrzeit und Kosten
mit optimierter Planung vermeidbar, wiederum zum Vorteil von Pendlern und Anwohnern!
Das Argument, die Batteriezüge schaffen die Steigungen nicht, sie wären zu schwer, einfach
ungeeignet, dürfte anhand von bislang z.B. in Österreich sehr erfolgreich verlaufenden
ersten Einsätzen im Regelbetrieb widerlegt sein. Die gleichen gegen Batteriezüge
angeführten Gegenargumente wären dann auch gegen die bestellten Wasserstoffzüge
einzuwenden!
Auch das angebrachte Argument der Bahnsteighöhen überzeugt nicht. Die Bahnsteige der
Frankfurter S-Bahnhaltestellen, Ffm Hbf, Bad Homburg, Friedrichsdorf und Usingen weisen
allesamt unterschiedliche Höhen auf. Also egal, welches Zugkonzept gewählt wird, es wird
aktuell nie einen ebenen Ein- und Ausstieg an allen Haltestellen geben.

Kennt jeder Pendler und Naturfreund diese Sachverhalte? Auch, dass nicht jeder Zug nach
Frankfurt eine S-Bahn sein wird? Dass in Friedrichsdorf Waggons an- und abgekoppelt
(Stärkung Richtung Ffm./Schwächung Richtung Usingen) werden müssen? Dies wird
zusammen mit einer nötigen Bremsprobe jeden Zeitvorteil zu Nichte machen! Der Nachteil
der höheren Störungsanfälligkeit einer Oberleitung bleibt ebenso unerwähnt, wie die
Verspätungen und Störungen, die die S-Bahn aus dem Frankfurter Netz in den Taunus
transportieren wird. Gemeinden hinter Usingen werden auf lange Sicht nicht besser bedient
und in Zukunft ebenso wie heute umsteigen müssen, dann eben in Usingen!
Zudem, warum ist der Fahrgastverband von seinem ehemaligen Konzept einer dichter
getakteten (Direkt-)Verbindung zum Frankfurter Hauptbahnhof, an allen Wochentagen bis in
den späten Abend hinein, abgerückt? Es könnte am Ende das beste Konzept sein!
Hat der Fahrgastverband resigniert, wenn er in seiner Pressemitteilung schreibt, dass mit der
(nicht technologieoffenen Ausschreibung und) Bestellung von Wasserstoffzügen über einem
Auftragswert von 500 Millionen Euro quasi Fakten geschaffen wurden? Wir hoffen nicht!
Es ist davon auszugehen, dass im geplanten Konzept, die nun bundesweit in anderen
ähnlichen Projekten zunehmend umgesetzte kosteneffiziente Lösung mit umwelttechnisch
überlegenen Batteriezügen nie geprüft wurde, weil es sie zum Planungszeitpunkt schlicht
nicht gab!
Diese und viele andere Fragen haben sich für uns seit der Bürgerinformation am 20.9.19
ergeben und nicht schon vor Jahren wie uns vorgeworfen wird. Hierzu möchten wir gerne
Antworten und einen konstruktiven und sachlichen Dialog auf Augenhöhe führen! Wir sind
keine Verhinderer – ganz im Gegenteil bringen wir umsetzbare Lösungen ins Spiel, die
schneller und kostengünstiger zu realisieren sind sowie in der Gesamtbilanz ökologischer
wären! Das Ziel unserer Bürgerinitiative ist eine sinnvolle Lösung zugunsten eines
attraktiveren ÖPNV für Pendler ohne vermeidbare „Kollateralschäden“ für die Natur. Wenn
man dies nicht mehr einwenden darf, dann muss man sich um die Zukunft der Politik in
unserem Land sorgen!